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Rügen - Bornholm - Christiansö - Schweden
 
Nach der stürmischen Überfahrt leistete ich mir ein paar ruhige Hafentage in Saßnitz. Bei "Portofino" war ich bald Stammgast, denn die hatten dort gutes WLAN.
Der Schiffsausrüster ist auch gut. Ich holte mir eine elektrische Bilgepumpe, denn ich hatte oft drüber nachgedacht, dass ich allein segelnd bei einem Wassereinbruch ja alle Hände voll zu tun hätte, das Leck zu finden, Notruf absetzen, Motor an, Segel bergen....Wann soll ich da noch das Wasser mit der manuellen Lenzpumpe aus dem Boot kriegen?

Außerdem kaufte ich Kabel und 12-V-Steckdosen, damit ich auch im Vorschiff Handy u.a. laden kann, eine LED-Birne fürs Ankerlicht, und einen kleinen Anker fürs Dinghy.
 
21./22.06.2016
Aber dann reichte es mir, Wind war 3-4 Bft abnehmend angesagt. Da würde ich doch gut nachts nach Bornholm rüberkommen!
19 Uhr legte ich ab, kam auch erst gut voran, doch dann ließ der Wind immer mehr nach und ich lag mit schlagenden Segeln 5 Meilen vor Jasmunds Kreideküste. Ich nahm die Segel runter und motorte Richtung Lohme. Doch nach kurzer Zeit sagte ich mir, wenn ich schon motore, kann ich auch in die richtige Richtung motoren!
Kurs Bornholm mit alter Welle von der Seite und ansonsten sehr ruhiger See.
Sonnenuntergang
21:40 Uhr war Sonnenuntergang und das Licht war fantastisch, diese vielen Farbtöne, die Himmel und Wasser annehmen! Ich war happy!
Dank AIS konnte ich die schnell fahrenden Fähren und Frachter identifizieren und herausfinden, wie schnell sie fuhren und wohin.
 
Interessiert beobachtete ich die vielen Lichter beim Windpark BalticI, Kranschiffe, Sicherungsschiffe, Kardinaltonnen und fahrende Frachter und Versorgungsschiffe! Spannend.
Um 2:30 Uhr wurde es wieder hell und der Turm in der Mitte der Strecke nach Bornholm stand querab. Eines der Versorgungsschiffe drehte Kreise vor meinem Bug, so dass ich beschleunigte, um aus seiner Reichweite zu kommen.
 
Dann wieder diese herrlichen Farbspiele, als es immer heller wurde. Oranger Himmel, dunkelblaue Wölkchen davor, das violett angehauchte Meer so faltig und bewegt, doch wieder glatt vor mir. Man sieht die Wellen unter der Oberfläche aus verschiedenen Richtungen und kleine Windwellen von achtern.

 
3:30 Uhr schaltete ich den Motor aus und setzte Segel. Die leichte achterliche Brise trieb mich Richtung Bornholm. Ich döste im Cockpit und ließ die Windsteueranlage arbeiten. Ringsrum herrliche Stille, nur das Plätschern der Bugwelle.
Bornholm kam immer näher und der leichte Wind trieb mich bis zum frühen Nachmittag bis zur alten Festung Hammerhus im Nordwesten Bornholms.
Bornholm
 
Johns Capell

 
Um 15 Uhr war ich nach 63 Seemeilen in Hammerhavn. Eine schöne kleine Anlage! Am "Hafenmeisterautomat" gab es den WLAN-Code, den Code für die Duschen und die Wettervorhersage.

Hammerhavn
 

Ich wanderte zu der nahegelegenen Festung hoch, suchte mir ein schönes Plätzchen in der Sonne und genoss Blick, Brötchen, Bier und ein gutes Buch.

 

 
23.6.2016
Um 11 Uhr war ich fertig mit allen Vorbereitungen wie Wasser auffüllen, Tee kochen und Essen für unterwegs machen. 11:30 Uhr konnte ich die Leinen lösen und motorte um Bornholms Nordspitze. Dann setzte eine wunderschöne Briese ein, die das Boot mit 3kn durchs tiefgrüne, gelb blühende Wasser schob. Bornholm sieht toll aus. Es hat dort oben was Mediterranes mit seinen Felsen, Kiefern und hellen, doch farbigen Häusern.

Segeln
Gegen 15 Uhr hatte ich die kleine Inselgruppe um Christiansö in Sicht, auch "Erbseninseln" genannt.
Cristiansö und Frederiksö
 
Im Hafen Cristiansö

Bald lag ich im Hafen, wo auch wieder ein Automat die Hafengebühr kassierte.
 
Schattenspiele  
Ich machte einen Rundgang über die idyllische Insel, entdeckte zu meiner Überraschung einen Feigenbaum und einen Sonnenwendscheiterhaufen mit Hexenpuppe obenauf. Heute Abend sollte hier eine Midsommerparty steigen.

Da es noch früh am Tage war, wanderte ich auch auf die zweite Insel - Frederiksö.
 

 
Dort gab es einen Badesteg mit windgeschütztem Umziehhäuschen. Also nix wie rein in die kühlen Fluten! Huch, janz schön kühl aber klar und sauber.



Beim Warten auf die Party saß ich im Windschatten einer alten Mauer und entdeckte im Kanal zu den kleinen vorgelagerten Inseln sogar Robben, die neugierig ihre Köpfe aus dem Wasser streckten. Ob sie abends am Midsommer-Lagerfeuer in den schwedisch-dänisch-norwegischen Gesang mit einstimmten?
 
24.06.2016
Da eine recht lange Strecke vor mir lag, stand ich früh auf. Um 5 Uhr wehte ein recht frischer Wind durch den Hafen, so dass ich schon Bedenken bekam, ob ich mit der großen Genua für heute richtig gewählt hatte. Aber beim Teekochen und Brötchenschmieren ließ er etwas nach.
6:30 Uhr legte ich ab. Vor der Ausfahrt steilten sich mächtige Wellen auf. Aber da musste ich durch.
Um 7 Uhr war die Genua oben und der Motor aus. Der raume Wind trieb uns um die Felsen der Insel Christiansö.
Die hohen Wellen brachten die Genua immer wieder zum Einfallen. Das Ausbaumen klappte nicht, da ich den kleinen Spibaum nicht in den Ring am Mast bekam.

Gegen 8 Uhr, der Wind ließ etwas nach und die Wellen wurden auch kleiner, hörte ich von achtern ein seltsames Geräusch: Rrrrrt -rrrrt, Pause, dann wieder: rrrrrt - rrrrrt.
Auf der Suche danach räumte ich die Backskiste leer, kletterte in den Motorraum und nach achtern zum Ruder, nichts. Dann fand ich es: das Geräusch kam von der Travellerschiene, wo die Großschot umgelenkt wurde. Da ich das Groß gar nicht fuhr, hakte ich die Großschot aus und machte sie am Achtertag fest. Das Geräusch war weg, uff.

Gegen 9 Uhr frischte der Wind wieder auf: 5kn Fahrt! Juchuuu! Schweden ich komme.
Nach dem Mittag näherte ich mich der vielbefahrenen Wasserstraße "Bornholmsgat". Dank AIS konnte ich die Fahrt der Schiffe frühzeitig gut einschätzen und nahm die Hilfe des Motors ín Anspruch, um schnell da durch zu kommen. Als eine Fähre gleich zwei Frachter überholte, sprang auch der Alarm an, der mich vor einer Kollision warnte. Aber ich war weit genug weg.

 
Dann ließ der Wind nach und ich dümpelte zwei Stunden bei fürchterlichem Geschwanke in den Wellen. Am Boden des Salons machte ich kurz Mittagsschlaf - es geht, auch wenn das Boot tobt!
Zum Glück kam gegen 15 Uhr der Wind zurück und mir fiel rechtzeitig ein, die dänische Gastlandflagge gegen die schwedische zu tauschen.
Mit flotten 4,5 kn segelte ich auf Utklippan zu, einer kleinen Felsengruppe weit draußen vor Schwedens Südostküste.
17:30 Uhr war die Insel in Sicht. Um 19 Uhr lag ich im kleinen Hafenbecken gleich links neben der östlichen Einfahrt.

Ich packte meinen Rucksack und wollte eine Inselwanderung machen und stand nach 20 m vor der anderen Einfahrt, ups. Ich lachte herzlich, das war die kürzeste Wanderung meines Lebens. Die französichen Segler neben der Einfahrt lachten auch.
Mein Nachbar, Burkhard, lud mich abends auf ein Glas Wein auf seine "Mille" ein. Prost.
 
Ich bin endlich in Schweden. Gute Nacht.
 
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