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Laboe - Fehmarn - Warnemünde
 
08.06.2016
Um 9 Uhr klopfte mich der Hafenmeiser raus und kassierte 13 Euro Liegegebühr. Danach räumte ich das Schiff auf, suchte meine Waschsachen zusammen und ging zur Dusche. Nach ausgiebiger Reinigung und Wäschewaschen gab es ein herrliches Frühstück im roten Holzkiosk von Britta: Drei Kaffee und vier halbe Brötchen ( mit Liebe gemacht) und eine Zeitung (Kollision von Barkasse und Schlepper im Hamburger Hafen - gut, dass ich da weg bin)
Postkarten an meine Kinder geschrieben,
Erdbeeren gekauft,
Brot und Kuchen besorgt.
 
So kam ich erst 14:30 Uhr los und segelte bei herrlicher Brise raus auf die Ostsee.
Endlich genug Platz und Zeit, um "Windy" zu testen, meine Selbststeueranlage. Mit Selbstwendefock und zwei Reffs im Groß ging es mit flotter Fahrt (5kn) in Richtung Fehmarn.
Ostsee  Ostsee  
19:30 Uhr barg ich das Groß, da Wolken aufzogen und im Regenradar Regenwolken zu sehen waren.
Wind dreht von West auf Nordwest.
 
An der Ansteuerungstonne Fehmarnsund NO2 ging die Sonne unter: 21:30 Uhr!
Ansteuerung Fehmarn
Kurz vor der Fehmarnsundbrücke startete ich den Motor und barg die Segel. Um 23 Uhr fuhr ich unter der Brücke durch.
Boh! Starke Strömung hier: 5,1 kn Fahrt durchs Wasser, 2,8kn Fahr über Grund!

Fahrt
Zwei Meilen hinter der Brücke ankerte ich auf 2m WT (unter Kiel).
 
09.06.2016
Beim Aufwachen - Ankersalat!
Von 7 bis 9 Uhr kämpfte ich mit der um den Kiel gewickelten Ankerleine.
Sie verlief vom Bug an Steuerbord am Rumpf entlang nach unten und kam an Backbord quer zum schiff wieder hervor. Die Strömung schob das Schiff nach Steuerbord, der Wind drückte den Bug nach Backbord.
Auch das an Backbord auf die Leine gesetzte Reitgewicht brachte die Leine nicht nach unten. Was nun?
Nach reiflich Überlegen und dem Versuch, meiner Shorecrew per Ferndiagnose eine Lösung zu entlocken, kam ich auf die Idee:
Mit dem Bojenhaken (ca.1m lang) holte ich an Backbord die Leine so weit wie möglich hoch. Das Spifall half, die Leine fast bis an die Wasserlinie zu ziehen. Jetzt konnte ich mit Stopperknoten drei Fender daran befestigen. Ich löste die Ankerleine am Bug. Sie glitt langsam unterm Boot hindurch.
Ich konnte mit dem Haken das Leinenende schnappen und legte es auf die Heckklampe. Ahh, uff, das Boot war frei und schwang frei an der Ankerleine. Frühstück. Lesen, Ausruhen.
Ankersalat-unterm Kiel  Ankersalat-frei
 
So kam ich erst um 12 Uhr los. Auf der Ostsee erwarteten mich leichte Winde aus östlichen Richtungen, so dass ich die Fock bald gegen die Genua tauschte.
Um 14 Uhr war am Horizont vor mir die Kühlung zu sehen und hinter mir die Fehmarnbrücke.
Da überkam mich ein seltsames Gefühl. Pötzlich war mein Großvater bei mir.
Wie oft waren wir auf der Fahrt von Kröpelin nach Kühlungsborn aus dem dunklen Wald der Kühlung herausgefahren und hatten am Horizont die Fehmarnbrücke erblickt.
Oft sagte er: "Ich kann die LKWs auf der Brücke sehen. Jetzt fährt ein gelber Postwagen hinüber!"(oder ein blauer Schwerlaster)
Wir Kinder wußten nie, ob unser repektabler Opa scherzte oder wirklich sooo gut sehen konnte.
 
16 Uhr setzte ich den Blister, aber der kam maximal mit Halbwind zurecht, ich kam keinen Meter näher an Kühlungsborn.

Wolken
17 Uhr frischte der Wind etwas auf. Bei voller Besegelung (Genua und Groß) fuhr ich mit 3-4kn nach SO.
Ich kochte mir Linsensuppe aus der Dose auf. Lecker!
 
Bisher zurückgelegt 12 Seemeilen, Distanz bis Kühlungsborn 15 Seemeilen, bis Rostock 25 Seemeilen.

 
18:00 Uhr: Ich nähere mich dem "Lübeck-Gedser-Weg" - man riecht es - Abgase!
Fähre
 
Die Hochhäuder von Burgtief auf Fehmarn sind noch zu sehen. Von Westen ziehen Wolken auf.
Nach Kreuzen des "Lübeck-Gedser-Weges" halte ich ein kutzes Nickerchen im Cockpit.
19:30 bis 20:00 - Flaute. 2kn Fahrt max. Von Rostock sieht man schon die senkrecht aufsteigenden Wolken vom Kraftwerk

21:00 nur Genua, Groß geborgen, da achterlicher Wind.
21:20 Begegnung mit "Alexander von Humboldt II", Positionslampen eingeschaltet.
 
 
21:30 plötzlich auffrischender Wind. Ich berge die Genua und verstaue sie unter Deck. Das Groß raus mit drei Reffs ( ca. 2m²)
3,5kn Fahrt.
23:15 Uhr: noch 12 Seemeilen bis Rostock. (Kühlungsborn im Dunklen und bei auflandigem Wind möchte ich nicht riskieren)

23:36 Uhr - Kühlungsborn querab. Rostock noch 11 Seemeilen. Koche Tee. "Windy" hat zu tun.
00:00 Uhr "Windy" kann die Wellen nicht immer aussteuern. Ich übernehme und steuere die schwach geb leuctenden Reede-Tonnen an.
Die Wellen bauen sich auf und erreichen 2m Wellenhöhe. Beeindruckend zu sehen, wie der Wellenberg achtern wächst und dann das Heck hebt und unterm Schiff durch läuft.

Kurz vor der Untiefentonne Rostock steigt eine brechende Welle ins Cockpit ein. Ich hab die Füße hochgenommen, das Wasser lief ab.

Die Ansteuerung von Rostock war aufregend, plötzlich waren die Leuchttürme auf den Molen ganz nah. Ich startete den Motor, fuhr in die Fahrrinne und mit seitlichen Wellen durch die Leuchttürme hindurch.
Im Hafenbecken rollte ich das Großsegel herunter und wollte Leinen und Fender klar machen für ein Einlaufen im Yachthafen Mittelmole.
Aber der Wind war immer noch so stark, dass das Anlagemanöver keinen Fehler zuließ. Ich beschloß, nach Hohe Düne hinüber zu fahren. Dort war mehr Platz!

Am Horizont wurde es heller. Vielleicht war das der Grund, weshalb plötzlich zwei unbeleuchtete Schlauchboote meinen Weg kreuzten. Diese verrückten Angler wollten doch wirklich schon vor Morgengrauen dort raus!
Um 03:00 Uhr war ich in der Marina Hohe Düne, zog meine Kreise im Hafenbecken, um Fender und Leinen auszubringen und fand an der Ostmole einen guten Anlegeplatz.


Ich zerrte die Segel aus dem Vorschiff in den Salon und verkroch mich in der Koje, müde aber unbändig stolz auf mein Schiff und mich.
48 Seemeilen, davon 11 bei Sturm in der Nacht.
 
Am nächsten Tag schlendere ich durch Warnemünde, Eis schlecken, Fähre fahren, Fischbrötchen essen