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Einhand nach Stralsund
 
23./24.August 2016
Mein wunderschöner Segelsommer neigt sich dem Ende zu und ich möchte das Boot nach Deutschland bringen. Mit meiner Tochter möchte ich noch ein paar Tage in den Rügenschen Gewässern segeln. Also los, auf nach Süden.
 
In Kalmar lag ich direkt vor der Seefahrtsfakultät der Universität. Mein Bootsnachbar war ein Student, der dort studierte. Er will "Sea Catain" werden. Seine Wohnung - das Boot. Billiger gehts nicht und den kürzesten Weg zur Uni hat er auch.
Kalmar Uni
 
Die Stadt wimmelte von Erstsemester-Studenten, die gruppenweise durch die Stadt zogen. Erkennbar waren sie an ihren verschiedenfarbigen Strinbändern, auf denen ihr Name stand. Jede Gruppe hatte eine andere Strinbandfarbe, blau, hellgrün, weiß.. .
 
Vor dem langen Törn renovierte ich ein bischen. Mit dem Stadtbus für ich in Kalmar zum BAUHAUS und besorgte Isoliermaterial und Linoleum.
 
Kalmar adieu
Nach einer windstillen Nacht vor Anker schnitt ich das Linoleum zu und hatte am Nachmittag einen wunderschönen Füßboden in Holzoptik.
 
Boot  Boot
 
Dann kam eine leichte Brise auf, die mich bis Bergkvara blies. Der Hafenmeiset Frank half netterweise beim Anlegen. Abends wurde es doch schon recht kühl und feucht, so dass mir die heiße Dusche bei der Campingplatzrezeption gut tat.

 
Leuchtturm  Wolken
 
25.August 2016
Als ich am Morgen aus der Luke schaute, war ringsrum alles grau und feucht - Seenebel! Also ließ ich den Tag gemütlich angehen, kaufte ein paar Kleinigkeiten im Kiosk und schwatzte ein wenig mit einem Peter über Schiffstypen.

 
Nebel in Bergkvara
 
Nebel in Bergkvara
 
Gegen 10 Uhr kam ich los, nachdem sich der Nebel etwas lichtete.
Am Industriekai sah ich das Küstenwachboot KBV 033 wieder, diesmal in etwas besserem Licht.
 
KBV033
 
Ich hatte eigentlich Karlskrona angepeilt, aber das Kreuzen gegen den frischen Südwestwind kostete Zeit, so dass ich um 15 Uhr beschloss, abzufallen und nach Kristianopol zu segeln.
Beim Anlegen kam ein Nachbar mit beiden Händen voller Krabbenbrote und ich rief: "Deswegen bin ich hergekommen, die sind so lecker". Seine Antwort: "Da musst Du Dich beeilen, das Cafe schließt um 16 Uhr." So schnell hatte ich noch nie alle Leinen belegt. Geld gegriffen und ab ins Cafe. Dort wurde schon sauber gemacht, aber Krabbenbrot gab es noch. Dazu ein Bier und dann sah mich der Blaubeerkuchen an und schrie: "Nimm mich!". Da konnte ich nicht widerstehen.
 
Kristianopol Krabbenbrot
In der warmen Abendsonne genoss ich den kühlen Anlegeschluck und den warmen Blaubeerkuchen mit Vanillesoße voller Zufriedenheit.
Der Hafen war so friedlich, relativ leer, ab und zu Spaziergänger und dann noch ein paar Boote, die einliefen.
 

 
Ich belud die Waschmaschine und wanderte kurz vor Sonnenuntergang auf der alten Festungsmauer um den Campingplatz. An der Badestelle zog ein Angler gerade einen großen Hecht ans Ufer.

 
Kristianopol
 
Kristianopol
 
Kristianopol
 
Kristianopol
 
26. August 2016
Ich hing meine Wäsche zum Trocknen in die Sonne, bezahlte beim Hafenmeister meine Liegegebühren und ließ noch den Dieseltank auffüllen.
Kurz vor 11 Uhr segelte ich dann los. Wieder Kreuzen gegen Wind und Wellen. Ein in der Seekarte eingezeichneter Windpark war seltsamerweise gar nicht vorhanden. Hmm, sind die neuesten Seekarten etwa sooo aktuell, dass sie zukünftige oder geplante Windparks enthalten?

 
Gegen 17 Uhr war ich so weit südlich, dass ich in das Fahrwasser südlich von Langören einschwenken konnte. Hier war es gemütlich! Keine Wellen mehr und das Fahrwasser schlängelte sich gut betonnt durch die flachen Inseln.
Hinter Ytterö bog ich ab nach Ornö. Nach 30 Seemeilen ankerte ich um 19 Uhr auf 2m Wassertiefe in der gleichen Bucht, wie am Morgen des 26. Juni.
Und wieder: klares, sauberes, warmes Wasser, das zum Schwimmen ums Boot einlud.
 

 
27. August 2016
Der Wind drehte, wie vorhergesaft auf West und ich peilte für diesen Tag Utklippan an. Wieder stand Wind und Welle auf die flache Ausfahrt aus den Schären, so dass ich mit Motor und gerefftem Großsegel manchmal nur 2 Knoten fahren konnte. Erst als ich die Genua dazunahm ging es voran, allerdings mit extremer Schräglage. Nun stürmte "Mistral" mi 5 bis 6 Knoten schräg über die Wellen. Was für ein Ritt.

 
Utklippan
 
Kurz vor 14 Uhr legte ich in Utklippan in einer Reihe von schwedischen Segelbooten an. Später kam noch ein deutsches Boot dazu und wir verholten drei Boote, darunte meine "Mistral", um Platz zu schaffen.
Mit Gisela und Diedrich von der "Sprotte" aus Lubmin verbrachte ich noch einen gemütlichen Abend bei Wein und Seemansgarn.
 

 
28. August 2016
Frühmorgendlicher Abschied von Utklippan und Schweden.
 

 
6 Uhr: Welch ein Bild: Die Sonne ging hinter Utklippan auf, als ich vor der Insel Segel setzte und mit frischem Nordost den langen Weg nach Bornholm einschlug. Ich hörte sogar die Robben (oder Seelöwen) heulen. Ich konnte sie auch riechen ;-)
 
Bei viel Verkehr auf dem Wasser, den ich mit AIS gut verfolgen konnte, lief ich mit 5 bis 5,5 Konten nach Südwesten. Leider waren die Wellen noch sehr hoch und ließen das Boot und den Kurs mächtig schwanken.
Gegen 8 Uhr zog von Westen Bewölkung auf, die sich bis 8:30 Uhr zu einer malerischen, den Himmel überspannenden Wolkenwalze entwickelte.
 

 
Wolke
 
Wolke
 
Wolke
 
Wolke
 
Meteorologen haben bestimmt ihre helle Freude an solchen Bildern. Ich auch.
Aber da ich schlechte Erfahrungen mit solchen Walzen hatte, wollte ich die Genua einrollen. Das ging nicht, da sich die Reffleine ums Stag gewickelt hatte. Also ließ ich die Genua runter und laschte sie am Relingsdraht fest.
 
Die Wolkenwalze zog durch und brachte - Windstille ! Dann eine Winddrehung um 180° auf West, dann Nord auf Nordost.
Ich klarierte die Reffleine (das Schutzblech dreht sich manchmal mit) und setzte die Genua wieder. Mit flotten 5 Knoten fuhr ich schnell über die vielbefahrene Wasserstraße nach Süden.
Um 11 Uhr ist das geschafft und "Windy" steuert uns bei achterlichem Wind und Welle mit fürchterlichem Geschaukel nach Christiansö.
 
Ich machte mir Salat, zum Nachtisch schwedischen "Kex".
 
12:30 Uhr war Christiansö in Sicht, die Wellen wurden noch höher: 1,5m, dazu Kreuzseen aus Ost. Ich fuhr nur noch gerefftes Großsegel, aber damit kam "Windy" nicht gut klar. Sie steuerte mal links, mal rechts an Christiansö vorbei. Hinter mir kam ein Segelboot auf, das konnte nur die "Sprotte" sein!
 

 
Ich setzte die Sturmfock, damit ich in der hohen Welle einen Kurs östlich von Christiansö halten konnte und legte nach 47 Seemeilen um 15:30 Uhr in dem kleinen Hafen von Christiansö gleich hinter der "Sprotte" an.


 
Hafentage 29. und 30. August 2016
Wegen Starkwind blieb ich zwei Tage auf Christiansö, lernte Hans, einen Dänen kennen und zusammen mit "Sprottes" verbrachten wir schöne Stunden.
Die Insel Christiansö ist wirlich urig. Häuser in Reih und Glied, versteckte Wanderwege, kleine einzelne Häuschen, Teiche, Felsen und Mauern. Und immer wieder neue Ausblicke aufs Meer.
 

 

 

 

 



Schlechtes Wetter, man sieht die Böen im Hafen draußen die Wellen toben.
 

 

 

Morgends um halb 8 Uhr kam der Traktor über die steile Gasse in den Hafen, um uns zu wecken.
 

Um 8 Uhr wurde die dänische Flaggge gehißt.
 

Das Wasser im Hafen ist glasklar, Kindergarten für kleine Fische.
 
Ich verkaufte Hans meine schwedischen Hafenführer und hatte somit genug dänisches Bargeld für diverse Ausgaben. Der kleine Kaufmannsladen auf Christiansö bietet eine überraschend gute Auswahl. Bei der örtlichen Fischerei deckte ich mich mit eingelegtem Hering ein. Und das Essen in der Gaststätte war auch sehr gut. Schon war das Geld wieder weg!

 

Hans legt ab, um über Nacht nach Utklippan zu segeln. Ich hoffe, er kam gut an.
 
31. August 2016
Die netten Polen von der "Szczecin" halfen beim Ablegen. Dabei lernte ich, dass "Spring" auch auf polnisch "Spring" heißt. ( Ich meine die Leine vom Heck an den Pier, nicht das Verb.
 
Adieu
Mit Fock und Großsegel fuhr ich mit 4,5 kn in Richtung Bornholm Ostküste. Ich wechselte mehrmals Fock gegen Genua, je mach Windverhältnissen und ankerte dann am frühen Nachmittag vor dem Strand von Balka im Südosten Bornholms.
Herrlich hier: Kiefernduft, Sandstrand, ruhiges, klares Wasser und baden, baden, baden.
Juchuu, so muss Ostseesommer sein.
 

 

 
1. September 2016
Nach einem herrlichen Morgen in der Bucht frischte der Wind gegen Mittag auf und drehte auf von Südwest auf West.

Ich peilte Rönne an, war aber auch offen für eine Fahrt direkt an die deutsche Küste, wenn der Wind das zuließ.
14:30 Uhr hatte ich die Südspitze Bornholms passiert und konnte einen Kurs hart am Wind von 210 bis 230° steuern, das wäre Usedom! Also weiter.
Das Boot arbeitete hart in Welle und Wind.
Am frühen Abend drehte der Wind und ich fuhr eine Wende. Aber bei dem Kurs (310°) bremste die Welle dermaßen, dass ich nur noch 3 kn fuhr. Also wieder gewendet und nach Süden! Dann eben Polen - Dwinow oder Swinemünde.
Um 18 Uhr drehte ich bei, um die Positionslampe am Bug zu installieren. Leuchtet!
19:50 Uhr - ein malerischer Sonnenuntergang. Allerdings wurde ich von zwei Fischerbooten gestört, die am Ausgang des Verkehrstrennungsgebietes ihre Kreise drehten. Ich musste abfallen, um ihnen auszuweichen.

 

 

 

 

 
Dann wurde es langsam dunkel, einige Lichter waren zu sehen. Überraschenderweise wischte ein Lichtstrahl aus Südwest übers Wasser - der Leuchtturm Greifswalder Oie. Super! Da hatte ich einen guten Orientierungspunkt.
 
Kurz vor Mitternacht waren die Batterien runter auf 11,7 Volt ( 2 Positionslampen und das AIS-Gerät saugen ziemlich viel) Also ließ ich den Motor eine Stunde laufen.
Das Großsegel holte ich auch ein und unter Fock liefen wir 4-5 Knoten durch die stockdunkle Nacht.
 
Nachtfahrt
Alles kommt einem jetzt lauter und schneller vor. Die Geräusche, die das Boot macht hört man jetzt viel deutlicher, als am Tage. Besonders laut ist es unter Deck: das Rauschen des Wassers an der Bordwand, das Scheppern des Ankers, wenn eine Welle an den Bugspriet schlägt, das Knarren der Verbände und das Heulen des Windes in der Takelage.
Zu sehen ist draußen nicht viel. Ab und zu wird ein weißer Gischtkamm vom grünen Licht der Positionslaterne erleuchtet, nähert sich rasant und verschwindet unterm Boot.
Ich lege mich ab und zu hin, döse und schlafe sogar. Die Eieruhr weckt mich nach 20 oder auch 30 min, je nachdem wie schnell wir fahren und was voraus zu erwarten ist.

 
2. September 2016
Ab 2 Uhr ließ der Wind etwas nach, hohe Wellen, elendes Geschwanke.
Um 4 Uhr hatte ich dann das Fahrwasser nach Swinoujscie überquert. Da ging es zu, wie auf einer Autobahn!
Kurz danach warnte mich das AIS vor einem Baggerschiff, das drehte Kreise neben dem Fahrwasser ( vielleicht hat es auch Sand verklappt).
Dann wurde es langsam heller und ich kreuzte mit Fock und Großsegel zur Greifswalder Oie.
 
Oie
 
Die Insel erreichte ich gegen 8 Uhr und war entsetzt! Vor 5 Jahren, als ich hier segelte, war ein einizer Baum von Komoranen besetzt. Doch jetzt: Die ganze Ostküste ist kahl, weiß beschissen und tot, tausende Komorane nisten in den Bäumen, die sich davon nie wieder erholen werden!

 
Oie
 
8:30 Uhr, die Sonne wärmt schon und ich freue mich auf einen relaxten Tag in der Bucht vor Thießow. Als ich den Motor startete, machte dieser seltsame, quakende Geräusche (nur 1 Zylinder?) und der Propeller brachte keinen Schub. Oh je, schon wieder Propeller verloren? Ich segelte also bis an den Strand und ließ um 10:30 den Anker in den Sandboden vor dem Strand fallen.
 
Als Erstes tauchte ich in dem klaren Wasser und besah das Boot von unten - Propeller war dran. Ich startete den Motor und gab leicht Rückwärts schub, der Propeller drehte sich. Nun hörte sich der Motor auch wieder normal an. Ich beschloß trotzdem, mal einen Fachmann nachschauen zu lassen, wenn ich in Stralsund bin.
 
Ich hing alles an Deck, was mal gründlich durchgelüftet werden musste (Polster, Ölzeug) und ging schlafen.

 
Abends wollte ich noch nach Lauterbach segeln. Der Wind schlief aber bald ein und so motorte ich eine Stunde in Richtung Westen - nach Zudar. Dort ankerte ich dicht vor der Küste und hatte eine sehr ruhige Nacht.


 
3. September 2016
Der Morgen war sehr relaxt. Draußen war es diesig, denn in der Nacht hatte es geregnet. Als die Sonne durch kam, frischte der Wind auf und ich legte ab. Um 12 Uhr sah ich im Süden aus Greifswald ein Regattafeld. "Das ist bestimmt der "Hansecup" -lauter Hanseyachten, die nach Stralsund segeln." dachte ich bei mir.
 
Ich konnte sie zwar nicht einholen, aber sie boten ein schönes Bild.
 

 
Mit einem Folkeboot kreuzte ich dann um die Wette in den Strelasund, das enge, gebogene Gewässer vor Stralsund. Ich erreichte den Dänholm gegen 16 Uhr und hatte noch eine Stunde bis zur Öffnung der Ziegelgrabenbrücke. Die nutzte ich, um das Boot aufzuräumen. Ich hatte von Freunden erfahren, dass heute "Lange Nacht des offenen Denkmals" in Stralsund wäre und sie aufs Boot eingeladen.
 

 
Franka kam, kaum, dass ich angelegt hatte. Wir trafen dann noch Katrin am Alten Markt und hatten einen sehr vergnüglichen Abend.
 
Die "Lange Nacht des offenen Denkmals" in Stralsund ist immer wieder schön. Überall in der Stadt stehen kleine Bühnen, Komiker, Mittelaltermusik, Schausteller, Unterhaltung, offene Museen...
Zuerst stärkten wir uns mit Burgern aus dem "Burgermeister" am Alten Markt. Wir erlebten Leif Tennemann ("Vorsicht Leif" aus dem Radio) im Rathauskeller, gingen in die Wulflamstuben und Johanniskloster.
Der katholische Pfarrhof war romantisch, festlich beleuchtet mit Kerzen, die Gänge bildeten und uns auf den Hof leiteten.
In der Kulturschmiede traf ich meine Tochter, die sich da mit ehemaligen Schulkameraden - aus der Grundschulzeit - verabredet hatte. Kurioserweise traf ich kurz darauf im Ozeaneum auf ihre Grundschullehrerin!
Das Ozeaneum und das daneben gelegene Skurilleum waren geöffnet und mit dem Plastkbändchen der "langen Nacht" auch zugänglich.
 

 

 

 
 
 

 
Es war toll, ich traf Bekannte und wurde eingeladen, nach Mitternacht in der Badstüberstraße vorbei zu kommen. In dieser kleinen Gasse hatten die Nachbarn Biertische und einen kleinen Imbis aufgebaut. Wolf Thormeier, ein Restaurator, den ich vom Paddeln im Stralsunder Kanuclub kannte, sang zu Mundharmonika und Gitarre. Erst gegen 2 Uhr war ich wieder an Bord.
 
Welch ein Empfang in Stralsund - das war ein wirklich schönes Willkommen. Danke.